Kaninchenzucht in Luxemburg

Kaninchenzucht in Luxemburg – 90 Jahre Zusammenhalt unter dem Dach der USAL

02.02.2012

Kaninchenzucht in Luxemburg – 90 Jahre Zusammenhalt unter dem Dach der USAL

Es gibt in Europa wohl kein anderes Land, in dem die Hauptstadt den gleichen Namen trägt wie das ganze Land. Viele denken, Luxemburg sei nur eine große Stadt. Dem ist aber nicht so. Das Land mit 512000 Einwohnern ist etwa 80 km lang und etwa 45 km breit, hat eine Gesamtfläche von 2586 Quadratkilometern und liegt im Herzen Europas. In der Hauptstadt Luxemburg leben 92000 Menschen. Der Ausländeranteil liegt bei 43 Prozent. Täglich kommen 154000 Grenzgänger aus Deutschland, Frankreich und Belgien nach Luxemburg, um zu arbeiten. Die Nationalsprache ist Luxemburgisch. Weitere Amtssprachen sind Deutsch und Französisch.
Im Osten des Landes wird seit jeher der vorzügliche Moselwein hergestellt, der Norden und Westen des Landes waren eher von der Landwirtschaft geprägt, im Süden war es früher die Stahlindustrie, die dem Land den Reichtum brachte. Heute findet man überall Klein- und Mittelbetriebe nebst vielen Banken.

Geschichtliches

Wie alt die Kleintierzucht in Luxemburg wirklich ist, lässt sich nur sehr schwer feststellen. Bereits 1883 bestand gemäß eines authentischen Dokuments ein „Luxemburger Geflügelzuchtverein“. Nach dem Ersten Weltkrieg, 1914 bis 1918, bestanden zwei Kleintierzuchtverbände, einer in Luxemburg-Stadt und einer in der Stadt Esch/Alzette. Sie verfolgten zwar die gleichen Ziele, jedoch bekämpften sie sich gegenseitig. Erst nach vielen Jahren kam es dann dank des Zusammenwirkens von Bernard Hersch­bach aus Esch/Alzette und Pierre Courtois aus Luxemburg-Bonneweg zu der Verschmelzung beider Verbände. Durch den Zusammenschluss von Luxemburg und ­Esch/Alzette entstand am 8. Januar 1922 der heutige Verband, die USAL, die „Union des Sociétés Avicoles du Grand Duché de Luxembourg“, der Verband der luxemburgischen Kleintierzüchtervereinigungen.
Der erste Präsident war Bernard Herschbach, der dieses Amt bis 1974 ausübte. Ihm folgten Michel Reuter (1974–1985), Marcel Frieseisen (1985–1989), Jos Pierret (1989–1994) und Erni Berthlé (1994–2001). Von 2001 bis 2011 wurde der Verband erfolgreich von einer Frau geleitet, der Gemeinde-Politikerin und Abgeordneten Sylvie Andrich-Duval. Heute steht Pol Schmoetten der USAL vor.
Die nutzbringende Kleintierzucht war stets oberstes Ziel. In den fast 90 Jahren Verbandsgeschichte haben die Verantwortlichen immer mit Können, Begeisterung und Einsatz den Verband weiter aufgebaut und auch in schwierigen Zeiten durch verantwortungsvolles Handeln die Interessen der Allgemeinheit gewahrt. Wir können stolz auf unsere Vergangenheit zurückblicken.
Wurden früher neben Kaninchen und Geflügel auch Ziegen vom Verband betreut, so sind es heute lediglich die Sparten Kaninchen, Geflügel und Cavias. Reine Kaninchen- oder Geflügelvereine gibt es außer den Sondervereinen nicht.

Die USAL heute

30 Vereinigungen mit etwa 4000 Mitgliedern sind der USAL angegliedert. Die USAL ist in vier Bezirke unterteilt: Süden (15 Vereine), Zentrum (6 Vereine), Osten (7 Vereine) und Norden (3 Vereine). Fünf Sondervereine sind angegliedert. Zwei Preisrichtervereinigungen, eine für Geflügel und eine für Kaninchen, gehören ebenfalls der USAL an. Der Vorstand setzt sich aus 15 Mitgliedern zusammen.
Logo des luxemburgischen Verbandes

Unsere Fachzeitschrift „De Lëtzebuerger Klengdéierenziichter“ (LKZ) erscheint sechsmal jährlich, jetzt im 95. Jahrgang. Die erste Ausgabe des Fachorgans erschien 1916 unter dem Namen „Luxemburger Kleintierzüchter, Zeitschrift zur Förderung der landwirtschaftlichen Kleintierzucht“, also schon vor der Gründung der USAL.
Seit 1992 verfügt die USAL über ein eigenes Verbandslokal, das Home Bernard Hersch­bach. Hier werden neben den Verbandssitzungen auch Preisrichterschulungen usw. abgehalten. Es dient aber hauptsächlich der Unterbringung des ganzen Ausstellungsmaterials.

Als Gründungsmitglied der Entente Européenne ist Luxemburg seit 1938 aktiv an der Zusammenarbeit der europäischen Zuchtverbände beteiligt. Das Home Herschbach, damit auch Luxemburg, ist heute offizieller Sitz der Entente Européenne.

Rassekaninchenzucht

Alle Kaninchen werden in einem Herdbuch geführt. Dazu sind zwei Herdbuchführer im Einsatz. Jährlich werden von etwa 180 Züchtern durchschnittlich um die 4200 Tiere tätowiert. Die Zahlen sind rückläufig, waren es doch vor 15 Jahren noch 8500 Tiere von rund 350 Züchtern. Eine der Ursachen ist sicherlich die starke Verbauung des ländlichen Raums. Immer mehr Wohnblocks entstehen, wodurch es den jungen Leuten kaum mehr möglich ist, unserem schönen Hobby nachzugehen.
Champagne-Silber sind die ältesten in Luxemburg gezüchteten Rassekaninchen. In Luxemburg und in der Schweiz gelten vergleichbare Farbanforderungen, während die Champagne-Silber in Frankreich in einer viel dunkleren Abtönung gezüchtet werden. Im Europastandard werden beide Farbvarianten bzw. Zuchtrichtungen aus diesem Grunde gesondert aufgeführt.

Foto: Standard 2003, Schweizerischer Rassekaninchenzucht-Verband (SRKV)

Eine eigene Luxemburger Rasse gibt es nicht, jedoch sind die ältesten in Luxemburg gezüchteten Rassekaninchen die Champagne-Silber, wie sie in der Schweiz gezüchtet werden und jetzt auch in Deutschland als Neuzüchtung auf Anerkennung warten. Zusammen mit der Schweiz sind wir die einzigen, die diese Rasse in diesem Farbenschlag züchten. In Frankreich wird der Champagne-Silber viel dunkler gezüchtet. Im Europastandard sind die beiden Farbenschläge auch gesondert aufgeführt.

Sehr häufig werden auch Hasenkaninchen gezüchtet, gefolgt von Blauen und Grauen Wienern. Sehr beliebt sind auch die Kleinsilberkaninchen, aber auch die Rexkaninchen in allen Farbenschlägen. Die Zucht von großen und mittelgroßen Rassen ist rückläufig, stattdessen werden immer mehr Zwergkaninchen gezüchtet. Der Trend, dass die Kaninchenzucht nicht mehr unbedingt der Ernährung des Menschen dient, ist also auch in Luxemburg zu erkennen.


 

 

Vereinsschauen, Landesschauen, Internationale Schauen

Jährlich finden etwa 15 Vereinsschauen statt, jeweils mit Kaninchen und Geflügel beschickt. Höhepunkt der Saison ist die Landesschau, die am 14. und 15. Januar 2012 zum 34. Mal abgehalten wurde, zum 20. Mal verbunden mit einer Internationalen Schau.
Am Vorstandstisch der USAL (v.l.): Mathias Sossong, Ben Klomp, Kassenwart Marc Gils, Vizepäsident Lucien Bissen, Präsident Pol Schmoetten, Schriftführer Roger Jäger, Preisrichterobmann Roland Olinger (Kaninchen), Roger Reicher und Preisrichterobmann Armand Pepin (Geflügel).
Foto: Paul Jentgen

Bei der Landesschau werden die Landesmeister sowie die besten Rammler und die besten Häsinnen jeder Rasse ermittelt, dies getrennt für Erwachsene und Jungzüchter. Neben vielen anderen Preisen werden bei der Internationalen Schau ebenfalls die besten Zuchtgruppen, der beste Rammler und die beste Häsin geehrt.

Durch unsere freundschaftlichen Kontakte hat sich die Internationale Schau weit herumgesprochen. So haben wir dort Aussteller aus Frankreich, Belgien, der Schweiz, hauptsächlich aber aus Deutschland (Bayern, Hessen, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Saarland, Sachsen usw.) zu verzeichnen.
Da die Preisrichtersektion für Rassekaninchen lediglich aus zehn Preisrichtern besteht, laden wir stets ausländische Preisrichter ein, um bei der Bewertung dieser Schau zu helfen.

Entwicklung des Standards

Alle Bewertungen werden nach den Richtlinien des Luxemburger Standards durchgeführt. Mittlerweile ist es die 8. Ausgabe, den die Preisrichter-Sektion Kaninchen 2010 neu herausgegeben hat. 103 Rassen, zusätzlich mehrere anerkannte Farbenschläge, werden hier aufgeführt.
In den ersten vier Ausgaben wurden Kaninchen, Geflügel und Ziegen in einem Büchlein gemeinsam beschrieben. Ab der 5. Ausgabe 1957 wurden die Ziegen nicht mehr berücksichtigt, da sich ein separater Verband bildete. Ab der 7. Ausgabe 1991 sind nur noch Kaninchen enthalten. Das Geflügel wurde ab diesem Zeitpunkt nach dem bestehenden deutschen bzw. europäischen Standard bewertet. Für Cavias haben wir keinen eigenen Standard. Hier wird nach den internationalen Richtlinien bewertet. Da wir keine Preisrichter für Cavias in Luxemburg haben, werden stets ausländische Kollegen mit dieser Bewertungsaufgabe betraut.
Kaninchen werden wie im Europastandard in sieben Positionen bewertet: 1. Körperform und Typ (20 Punkte), 2. Gewicht (10 Punkte), 3. Behaarung (20 Punkte), 4., 5., 6., Rassemerkmale (jeweils 15 Punkte), 7. Gesundheit und Pflege (5 Punkte). Bei Jungtierschauen wird nach Prädikaten verfahren.

Immer eine Reise wert!

Wir freuten uns auch in diesem Jahr wieder über viele Freunde und Gäste bei der 34. Landesschau, verbunden mit der 20. Internationalen Schau, am 14. und 15. Januar 2012 in der Victor-Hugo-Halle, Luxemburg-Limpertsberg. Und vielleicht sind Sie beim nächsten Mal ja auch schon mit dabei?

Paul Jentgen