Der Zuchtstamm beim Huhn

Der Zuchtstamm beim Huhn

Der Zuchtstamm ist die Tiergruppe von der der Züchter die Bruteier und die Nachzucht erwartet.

Zuchtstamm

Zuchtstamm

In der Rassegeflügelzucht besteht ein Zuchtstamm meist aus einem Hahn und mehreren Hennen. In der Wirtschaftsgeflügelzucht stellt man durchaus mehrere Hähne zu den ja auch grösseren Zuchtherden.

Im Prinzip lebt der Hahn mit den Hennen zusammen. Wie viele Hennen man einem Hahn zugesellen kann, hängt von der Rasse ab. Bei den Legerassen und Zwiehuhnrassen (Eier und Fleisch) kann man durchaus 10-12 Hennen zu einem Hahn setzen und eine befriedigende Befruchtung erwarten. Bei schweren Rassen, Rassen mit üppigerem Federkleid oder agressiveren Rassen sind kleinere Zuchtstämme ratsam, sogar nötig. Bei verschiedenen Kämpferrassen vertragen sich die Tiere nicht besonders gut und Zuchtstämme können nur aus einem Hahn und 1-2 Hennen bestehen.

Tretakt = Geschlechtsakt

Tretakt = Geschlechtsakt

Will man bestimmte Hennen mit bestimmtem Hahn verpaaren, ohne einzelne Stämme zu halten, kann man die Hennen aber auch einzeln ‚ihrem‘ Hahn für einige Tretakte zuführen und nachher in die Hennenherde ohne Hahn zurücksetzen. Hühner speichern das Sperma nämlich in einer Drüse und somit können von einem Tretakt mehrere Eier befruchtet werden.

Will man mit Sicherheit die gelegten Eier bestimmten Hennen zuordnen, empfehlen sich Fallnester, das heisst, die Henne kann das Nest nicht verlassen ohne Hilfe des Züchters, und das gelegte Ei kann dann nur von dieser Henne stammen.

„Die Brut beginnt bei den Eltern.“ Diese Wahrheit hört und liest man oft.

Also sind die Elterntiere in ihren Rassemerkmalen und ihrer Gesundheit und Vitalität sehr wichtig. Gesunde und vitale Hennen legen genügend gut geformte Bruteier. Gesunde und vitale Hähne lassen auch gute Befruchtung erwarten.

„Nicht jedes ausgezeichnet bewertete Tier bringt auch gute Nachzucht“ ist eine andere Feststellung.

Die Nachzucht trägt die Gene je zur Hälfte jeden Elternteils. Details zur Vererbung sollte der Züchter in Fachliteratur nachlesen.

Also ist es wichtig, Elterntiere mit guten Genen und guter Vererbung (reinerbig in ihren „guten“ Eigenschaften) zusammen zu setzen.

Leider kann der Züchter nur das äussere Erscheinungsbild des Tieres sehen und seine Leistungen notieren. Am Tier unsichtbare oder genetisch verdrängte Merkmale kann er nur vermuten aus den Erfahrungen, die mit Ahnen und Geschwistern gemacht wurden (siehe Fachliteratur zur Vererbung). Ebenso kann der Preisrichter nur das Erscheinungsbild des Tieres bewerten.

Da niemand mit unseren Mitteln die genaue Erbmasse seiner Tiere genau kennen kann, ist es immer möglich, dass Tiere phänotypisch (äusserlich) in Ordnung sind aber genotypisch (erbmässig) auch andere verdeckte Formen der Gene besitzen, die sich in der Nachzucht durchsetzen können und sich somit unsere Verpaarungen als nicht geeignet heraus stellen können.

Welche Tiere sollen in einen Zuchtstamm eingesetzt werden?

Der Züchter soll nur seine besten Tiere in den Zuchtstamm einsetzen. Arbeitet er mit mehreren Stämmen der gleichen Rasse, hat er bessere Möglichkeiten, die Zucht weiter zu bringen, vorausgesetzt er schafft es, die Nachzucht so zu kennzeichnen, dass die Abstammung bekannt bleibt.

Hohe Ansprüche sind an die Zuchthähne zu stellen. Sie beeinflussen den Nachwuchs einer jeden Henne zur Hälfte. Also kann der Hahn mit unerwünschten Genen die ganze Nachzucht des Stammes beeinträchtigen. Erkennbare Fehler am Hahn bringen sicher keine Verbesserung in der Nachzucht.

Im Besondern soll der Züchter die Wünsche und Vorzüge, die der Preisrichter auf der Bewertungskarte vermerkt, beachten. Dies gilt für Hähne wie für Hennen. Gleiche Wünsche bei beiden Elternteilen lassen selten bessere Jungtiere in dieser Hinsicht erwarten.

Der Züchter soll also keinesfalls Tiere mit Fehlern oder Mängeln in die Zucht einsetzen. Besser nur mit wenigen guten Tieren züchten, wo man nachher am Resultat besser erkennen kann, ob keine verdeckten ‚schlechten‘ Eigenschaften im Erbgut vorhanden sind, als wegen der Menge an Bruteieren weniger gute Tiere mit zu nehmen, die dann das Resultat sicher auch beeinflussen.

Die Bewertungen zeigen, wie der Preisrichter das Tier sieht zum Zeitpunkt der Bewertung. Bleibende Fehler/Mängel/Wünsche ändert auch die Zeit nicht. Aber im Laufe des Lebens des Zuchttieres zeigen sich oft weitere Eigenschaften: Legeleistung, Eiform, Eigrösse, Gesundheit, Vitalität, Vergrösserung von Kamm, Kehllappen, Sporen, die nicht erwünscht sind. Auch dafür tragen die Zuchttiere Anlagen im Erbgut.

Zeigen Zuchttiere im ersten Legejahr solche Probleme, wäre es besser gewesen, sie wären nicht im Zuchtstamm gewesen. Darum wird geraten, nur mehrjährige Zuchttiere zu halten. Die Jungtiere sollten zuerst ein Jahr beobachtet werden, bevor sie zur Zucht eingesetzt werden. Schlechte Eierleger, Tiere, die im Laufe des ersten Legejahres schlechte Vitalität oder Gesundheit zeigen, sind auch schlechte Zuchttiere.

Wie lange bleibt ein Tier ein Zuchttier?

Grundsätzlich kann ein Tier so lange als Zuchttier dienen, wie befruchtete Eier geliefert werden. Also der Hahn solange er ausreichend befruchtet. Die Henne solange sie befruchtete Eier legt. Die Betonung liegt auf ‚befruchtet‘. Wenn die Eier nicht mehr befruchtet sind, kann es sowohl am Hahn als auch an der Henne liegen.

Zuchttiere können aber auch ausscheiden, wenn ihre Nachzucht doch nicht befriedigend ist. Merkt der Züchter, dass die Nachzucht nicht besser wird, als die Elterntiere sind, oder dass Fehler/Mängel auftreten gilt es zu merken, welche Zuchttiere doch gleich ausgetauscht werden sollten.

Auch wenn die Zuchttiere neben guten Nachkommen auch weniger gute oder mangelhafte Nachkommen erzeugen, muss der Züchter sich fragen, welche Tiere oder Erbanlagen verantwortlich sein könnten und die Tiere aus dem Zuchtstamm verdrängen, die mangelhaft im Erbgut sind.

Dies ist die eigentliche Zuchtarbeit: herausfinden, welche Zuchttiere die beste und ausgeglichendste Nachzucht bringen. Welche Tiere erbmäßig am besten zusammen passen. Nur so können wichtige Merkmale eines gesunden Rassetieres gefestigt und möglichst reinerbig verbreitet werden.

Warum und wann welches fremde Blut ein bringen?

Natürlich kann man seine Zucht nicht nur aus dem eigenen Zuchtstamm verbessern. Tiere aus anderen Stämmen müssen manchmal her.

Spitzenzüchter züchten mit mehreren Stämmen und halten die Abstammungen ihrer Tiere fest. Sie können gute Tiere in ihren Stämmen austauschen, um Inzuchtdepressionen zu vermeiden und doch über längere Jahre ohne fremdes Blut aus zu kommen.

Die meisten Züchter züchten aber nicht im grossen Stil und müssen oder wollen öfter fremde Tiere einsetzen.

Weil ein neuer Hahn aber einen ganzen Stamm beeinflusst, ohne dass man die Eigenschaften seiner Eltern kennt, ist es ratsam im ersten Jahr ihn nur mit einem kleinen Zuchtstamm zu paaren und seine Nachzucht genau zu beachten.

Vor zu ziehen wäre es, eine oder zwei fremde Hennen ein zu setzen. Somit wird nicht die ganze Nachzucht von ihnen stammen.

Zumindest müssen neue Tiere besser sein als die eigenen und keine Wünsche offen lassen, die eigene Tiere auch haben. Am besten ist es neue Tiere beim Züchter zu erwerben. Auf Ausstellungen sieht man nur die besten Tiere des Ausstellers und keinesfalls was er noch im Stall hat. Man kann auf Ausstellungen auf ‚Blender‘ treffen, die ihre Eigenschaften nicht konstant vererben. Damit muss man einfach rechnen, wenn man fremde Tiere einsetzt.

Wann sollen die Zuchtstämme zusammen gestellt werden?

Meist kann der Züchter (aus Platzgründen) seine Zuchtstämme nicht ganzjährig zusammen halten. Auch das Zusetzen von neuen Tieren in den Stamm bringt die Rangordnung in der Herde oder im Stamm durcheinander.

Damit das gute Zusammenleben im Stamm und auf engerem Raum auch die gute Leistung erlaubt, müssen die Tiere rechtzeitig zusammen gehalten werden. Die Rangordnung muss stimmen, damit der Hahn alle Hennen ausreichend betreten wird und die Hennen sich nicht beim Fressen und Eier legen bekämpfen. Wann das ist, hängt besonders von der Rasse und vom Bruttermin ab.

Bei manchen Rassen gewöhnen sich die Tiere schnell aneinander. Bei andern führt das Zusammenleben erst zu Rangkämpfen und beeinträchtigt zunächst Befruchtung und Legetätigkeit. Bemerkt man Tiere, die sich nicht im Stamm zu Recht finden, soll man sie entfernen, da sie stören.

Bei kämpferischen Rassen kann das Zusammensetzen schon im frühen Winter nötig sein, damit sie aneinander gewöhnt sind bevor sie die Legetätigkeit aufnehmen.

Bei Rassen, die erst spät mit dem Legen beginnen oder nur niedrige Legeleistung haben, ist es wichtig, dass alle gelegten Eier befruchtet sind, also muss der Stamm stehen, wenn die Legetätigkeit beginnt.

Bei den meisten Rassen ist das Zusammenstellen des Stammes aber 1 Monat vor dem Sammeln der ersten Bruteier ratsam. Sperma der Hähne kann nämlich bis 3 Wochen von den Hennen gespeichert werden. Also könnten solange noch Eier von einem andern Hahn befruchtet sein, falls die Hennen Kontakt zu einem andern hatten. Auch kann ein Stallwechsel die Legetätigkeit beeinträchtigen.

Zusammenfassung

Amrocks: Glucke mit Küken

Amrocks: Glucke mit Küken

Im Zuchtstamm sollen nur die besten Tiere sein. Jedes Tier mit erkennbaren Mängeln, Fehlern, Wünschen kann diese auch auf die Nachkommen vererben.

Zuchtstämme klein und übersichtlich halten.

Nur gesunde und vitale Tiere im Zuchtstamm halten.

Haltungsbedingungen für die Zuchttiere optimal halten.